Spracherziehung

„Die Sprache verursacht jene Veränderung der Welt, die wir Zivilisation bezeichnen. Das Instrument, das ein gegenseitiges Verstehen ermöglicht, ist die Sprache - Mittel gemeinsamen Denkens“ (Maria Montessori)

Nachdem das Kind in den ersten 3 Lebensjahren einen enormen Wortschatz angelegt hat, geht es nun im Kindergarten um die Verfeinerung und den Ausbau der Sprache, denn eine vollständige und mit der Umgangsform angereicherte Sprache ermöglicht Unabhängigkeit und Freiheit.

Die Mutter versteht ihr Kind oft schon am Blick, ohne dass das Kind seine Wünsche äußert.

In einer Kindergruppe von bis zu 25 Kindern kann nicht jeder jeden genau kennen. Deshalb ist es wichtig, eine gemeinsame und der Kommunikation dienende Sprache einzusetzen. In der Gruppe werden die Regeln besprochen (wie z.B. dass ein „Bitte“ und „Danke“ dazugehört) und im Rollenspiel geübt. So soll ein Kind, wenn es mit einem anderen spielen will, erst fragen, ob das andere Kind damit einverstanden ist. Die Erzieherin achtet auch hier auf die Einhaltung der Regeln, weil hierbei die Frage „wie gehen wir miteinander um?“ besonders im Vordergrund steht.

Kinder, die Sprachauffälligkeiten oder Schwierigkeiten haben, unterstützen wir indem wir „falsche“ Wörter und Sätze nicht ausdrücklich korrigieren, sondern sie richtig wiederholen. So erkennt das Kind darin keine direkte Verbesserung und wird nicht verunsichert.

Beispiel:

Ein Kind erzählt: „Ich Tann son mit swimmflügeln swimmen“
Erzieherin: „Du kannst schon mit Schwimmflügeln schwimmen, das ist ja toll!"

So hört das Kind den Satz gleich noch einmal und vergleicht innerlich. Wenn diese Wörter von allen Gesprächspartnern richtig gesagt werden, verfestigen sie sich mit der Zeit.

Verschiedene Beobachtungsbögen wie z.B. SISMIK, SELDAK helfen uns gezielte Förderungen durchzuführen. Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen führen wir die notwendigen Sprachprogramme durch.

Das Montessori Sprachmaterial ist ebenso wie alle anderen Materialien an den Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet:

  • Ein kleines Kind braucht den konkreten Gegenstand, um sich etwas einzuprägen, da es mehr über die Bewegung, das Fühlen und Umgehen mit den Dingen lernt. Deshalb gibt es Fühlbuchstaben und Körbe mit Gegenständen aus dem Umfeld des Kindes, zu denen jeweils die entsprechenden Namenskarten dazu gelegt werden können.

  • Das ältere Kind kann auch mit Bildkarten recht gut umgehen; da gibt es z.B. Bildkarten bei denen sich immer zwei Begriffe reimen, oder es wird eine Abfolge dargestellt, die das Kind ordnen kann. Anschließend kann es seine Bildergeschichte dazu erzählen.

Zusätzlich gibt es etliche Sprachmaterialien, die sich an den sensiblen Phasen der Kinder wie z.B. dem ersten Lesen und Schreiben orientieren.

Am Ende der Woche oder nach einer Aktion (z.B. Besuch im Altersheim) bilden wir oft eine Gesprächsrunde, in der jedes Kind seine positiven und auch negativen Erfahrungen äußern darf, ohne dass eine Wertung oder gar Korrektur erfolgt. Dies ermöglicht Kindern, auch negative Gefühle zu äußern, ohne Angst vor einer Bewertung seiner Empfindungen haben zu müssen.

Fingerspiele, Rollenspiele, Reime, Lieder, Bilderbücher, Märchen und Geschichten zeigen dem Kind die Vielfältigkeit unserer Sprache und üben in den selbständigen Umgang mit ihr ein.

Eine weitere sprachliche Auseinandersetzung bietet die nonverbale Kommunikation.

Durch Zeichen und Körpersprache lernen die Kinder ihr Gegenüber anders kennen. Genaues anschauen des Gegenübers ermöglicht bessere Konzentration und eine Erweiterung der Ausdrucksformen. Wir erarbeiten mit den Kindern nonverbale Zeichen und setzen sie gezielt ein z.B. ein Zeichen für Ruhe.

Der freiwillige Besuch des Englischunterrichts bietet den Kindern ein neues erweitertes Erfahrungsfeld.

Auch der Einsatz von verschiedenen Kommunikationsformen aus dem sonderpädagogischen Bereich wie z.B. GUK (Gebärden Unterstützende Kommunikation) und die Deutsche Gebärdensprache, finden nach Bedarf ihren Einsatz.

Bei aller im Freispiel und in der Einzelförderung angewandter sprachlicher Erziehung ist das Wichtigste Sprechanlässe zu schaffen, bei denen das Kind frei vor anderen das Erworbene umsetzen kann. Dies geschieht im Stuhlkreis, beim Rollenspiel, an Gottesdiensten und anderen Festen.

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